HÄMMERLI ‘PROFESSIONAL LINE’:

der Schaft stimmt!

Vorläufer aus Tiengen

Luftgewehre der SIG arms HÄMMERLI AG sind bisher nicht vom Erfolg verwöhnt worden. Aufwendig in der Konzeption und nicht ohne Mut zur Innovation erschien das Modell 450 in den 80ziger Jahren mit Kunststoffelementen, einem von oben angebrachten Spannhebel und einem Kombinationsschaft, der links wie rechts geschossen werden konnte. Doch der Ladegriff störte die Visierlinie, überdies erschwerte er das Spannen im Liegend- und Kniendanschlag. Auch mit einem ‘rechts- wie links’ Schaft mochten sich nur wenige anfreunden.

 

Das aktuell angebotene AR 50 findet zwar mehr Zuspruch, trotzdem blieb auch ihm der Durchbruch versagt. Vor allem wohl, weil es dem Pressluftsystem dieses Gewehrs nach Ansicht mancher 10-Meter Spezialisten an Tempo mangelt. Technische Unsauberkeiten des Schützen ahndet der ansonsten ruhige und präzise Antrieb härter, als dies bei den Systemen der Marktführern empfunden wird.

Contact II, variable Gewichte um eine drehbare Achse sowie Backe, Griff und Vorderschaft aus Kunststoff sind die wesentlichen Details des neuen Alu-Schaftes von Hämmerli. Konzeption und Ausführung der Verstellelemente sind vorbildlich; der Schütze versteht die Funktionen sofort, Markierungen helfen, die gewählte Position zu notieren.

 

Der erste Schritt: Ein neuer Schaft

Wohl weil der Luftdruckmarkt als Zukunftssegment gilt, unternehmen die mittlerweile nach Lenzburg zurückgekehrten Eidgenossen jetzt einen weiteren Anlauf. Zur IWA 2000 wird ein zeitgemäßer Aluminium-Schaft vorgestellt, der unter das AR 50 System montiert wird. Eine spätere Reformierung des Überbaus wird nicht ausgeschlossen.

Der Rahmen des Professional line setzt sich aus vier gefrästen Alu-Elementen für Forder- und Hinterschaft zusammen. Die Oberfläche ist mit abriebfestem ‘Ilaflon’ versiegelt, das in einem metallic-Ton und in blau angeboten wird. Hartnäckig wagen sich die Schweizer noch einmal an Kunststoff heran. Griff, Backe und Forderschaft sind aus schwarzem, atmungsaktivem ‘hi grip’ gefertigt, der sich bei der Sportpistole aus gleichem Hause mittlerweile hoher Beliebtheit erfreut. Fast 90% der Pistolenschützen geben mittlerweile synthetischen Griffstücken den Vorzug.

In der Tat hinterlassen die glatte Backe und die Handauflage des ‘Professional line’ einen sympatischen Eindruck. Wange und Handschuh finden ebenso guten Halt, wie auf den lackierten Oberflächen der Konkurrenz.

 

Der Griff, der übrigens in drei Größen geliefert werden soll, ist zusätzlich punsiert und gewährt der Abzugshand angenehmen und stabilen Kontakt. Es sieht so aus, als ob das Wagnis Kunststoff sich diesmal bewähren könnte.

Am Schaftende montiert Hämmerli die Contact II von MEC und wählt damit die gegenwärtig im Spitzenbereich bevorzugte Kappe. Auch das Diopter aus eigenen Regalen darf weiterhin als Spitzenprodukt gelten.

 

Halbherzig wirkt dagegen die vom AR 50 entlehnte Kunststoffhülse, die neuerdings zwar eine weitere Variation der Visierlinie gestattet und Makierungslinien aufweist, gleichwohl aber die Sehnsucht nach handfestem Alu nicht stillen kann. Zusatzgewichte zum Balanceausgleich direkt an der Hülse sollen als Zubehör erhältlich sein.

 

Kein Linksaufschlag

Die nach Feinwerkbau, Walther und Anschütz nunmehr vierte Interpretation eines Aluschaftes für Luftgewehre ist zweifellos gelungen. Anders als die Mitbewerber war Hämmerli nicht an die Vorgaben (und Teillager) einer KK-Schäftung gebunden und konnte deshalb frei entwickeln.

Es finden sich sämtliche Verstellungen, die in der stürmischen LG-Aluschaft Entfaltung des vergangenen Jahrs zum Standard geworden sind: Kappe, Backe und Vorderschaft können fast beliebig angepaßt werden, das Handstück folgt willig praktisch jeder gewünschten Bewegung.

Linksschützen werden sich freuen, für ihre Unterzahl diesmal zumindest nicht zur Kasse gebeten zu werden. Zwar steht ihnen momentan nur eine Griffstärke zur Verfügung, dafür kostet die Linksschäftung mit vergleichsweise günstigen ca. 700 EUR aber keinen Rappen mehr. Der Rechtsschaft läßt sich in sein Spiegelbild verwandeln, indem die symmetrische Backe einfach umgedreht wird; lediglich ein neuer Griff ist zusätzlich fällig. Bei Bedienung, Konstruktion und Verarbeitung trifft das Klischee der Schweizer Präzision in des Wortes positivstem Sinne zu. Kappe, Backe, Griff und Auflage lassen sich sinnvoll, einfach und sicher justieren. Jedes Detail scheint im Vergleich ausgereift, insgesamt wirken Konstruktion und Design des Hinterschaftes aus einem Guß.

Masse auf Kurbelwelle

Interessant und wirklich neu ist die Gestaltung des Gewichtes am Hinterschaft. Drei Balastscheiben gestatten den Balanceausgleich der gesamten Waffe. Die gebogene Welle läßt sich außerdem um ihren Befestigungspunkt drehen und kann so näher oder weiter an den Brustkorb gebracht werden. Mit diesem Werkzeug kann der Schütze frei wählen, wo und wie die Schwerkraft wirken soll.

Insgesamt

Der Schaft des Hämmerli ‘Professional line’ gefällt. Er mag auf den ersten Blick im Mittelteil etwas klobig wirken; dieser ästhetische Schatten wird aber durch die sicheren und sinnvollen Funktionen aufgewogen.

Das HÄMMERLI im Spitzensport bisher nicht Tritt gefaßt hat, erklärt sich nach Ansicht einiger Experten aus der überdimensionierten Laufführung, die das Geschoß zu lange im Einflußbereich ungewollter Zuckungen des Schützen beläßt. Eine Aluminium-Hülse mit dem vertrauenswürdigerem Gefühl von Metall sowie Zusatzgewichten an der Mündung würde die ‘Professional line’ weiter abrunden.

Die Aargauer, so scheint es, haben einen guten ersten Schritt getan. Gelingt die Endabstimmung im Laufbereich, so sollten sich die helvetischen LG-Schmiede endlich im höchsten Leistungssegment etablieren können. In jedem Falle lohnt es sich, die neue HÄMMERLI mal in die Hand zu nehmen.

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